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Libyen – mit dem Kamel zum Geisterberg der Touareg

Bisher war ich als waschechter Werdenfelser und Bergfex überwiegend in den großen Gebirgen unterwegs – die Sahara kannte ich nur vom Hörensagen.

Allerdings klang es immer total begeistert, wenn meine Kollegen und  Wüstenfans Rosi Ther oder Uwe Weimar von „Ihrer“ Sahara schwärmten.

Speziell der Südwesten Libyens sollte eine der schönsten Ecken der ganzen Sahara sein. Andrea Bahmann von Hauser hatte gerade eine neue Kameltour in Libyen konzipiert und ich sollte das doch mal mit Gruppe testen – aus einer Gruppe, oh Wunder wurden schnell zwei, mit jeweils 15 Leuten, unglaublich aber wahr, das Interesse war riesig.

Wir Wüsten – Neulinge zogen dann voller Erwartung in dieses große Abenteuer.

Was warnten uns nicht die Leute: Gaddafi ist doch ein Verbrecher, Ihr werdet entführt, was gibt es denn da außer Sand, etc., etc., ... die Liste war lang, wir aber unerschrocken. Vielen Dank meinen Teilnehmern für das Vertrauen und das Miteinander – toll wie Alle mitgefiebert und mitgemacht haben.

Ich würde also 6 Wochen dort bleiben, zwischen Sand und Kamelen – würde ich das aushalten, oder dem „Wüstenkoller“ erliegen und durchdrehen?

Es kam ganz anderes und davon möchte ich nun berichten:

Aus dem tiefsten Werdenfelser Winter flogen wir ein über Wien nach Tripolis – dort war es im Februar auch nicht gerade mediterran, es schüttete wie aus Eimern, Straßen waren teilweise hüfthoch überflutet und es war saukalt.

Am Flughafen erwartete uns am Immigration Schalter Yusuf, der mit dem Officer schon alles geregelt hatte, ein kurzer Blick in den Pass, ein Stempel und wir waren durch – total easy, man vergleiche das mal mit einer Einreise in die USA?!

Yussuf erklärte uns in bestem Deutsch, das hier alles anders sei als erwartet – viel zu viele Vorurteile – wir seien willkommen, könnten uns hier ohne Gefahren bewegen, sicher sei es und gestohlen würde hier auch nix - demonstrativ lies er unser Gepäck 2 Stunden unbeaufsichtigt in irgendeiner Ecke des großen Flughafens stehen und wir gingen Cafetrinken.......

Wir fühlten uns gleich wohl hier, vor allem auch mit den Libyern.
Die Freundlichkeit und Herzlichkeit die uns schon in der Millionen Metropole Tripolis entgegenkam, war beschämend: Im Bazar, im Café, in der Moschee, überall freundliche Gesichter, die uns begrüßten und sich regelrecht freuten, dass wir Deutschen Ihr Land besuchten!

Noch ein Novum das sofort auffiel: keine Touristen-Souvenirhändler weit und breit?! Wo gibt’s denn so was in arabischen oder afrikanischen Ländern?

Libyen wurde unter Gaddafi zum reichsten Land Afrikas, hat Frieden seit 36 Jahren, den 5 Millionen Menschen geht’s gut, die Ölquellen sprudeln und der Tourismus beginnt gerade – einzig arme Touareg aus dem Niger oder Tschad verkauften unterwegs Souvenirs, die Libyer selbst haben es anscheinend nicht notwendig oder einfach keine Lust dazu.

Tripolis selbst ist wenig sehenswert, jedoch die Umgebung, vor allem die Römischen Städte am Meer, ein Knaller: Sabratha und Leptis Magna gehören zu den schönsten Relikten dieser Kulturepoche, was es da zu sehen gibt, macht einen sprachlos:

Theater mit bis zu 10000 Plätzen, wunderschöne Märkte, Bäder und Saunalandschaften, Basilikas und Naturhäfen, alles direkt wunderschön am Mittelmeerstrand gelegen - beeindruckend – vor allem die mit Marmorsitzen ausgestatteten öffentlichen Toiletten vor 2000 Jahren waren der Fotoknüller.

Eine Uralt-Boing brachte uns 1000km südlicher nach Sebha – Regierungssitz des Fezzan, Universitätsstadt und Handelsort mitten in der Wüste, 50000 Menschen leben hier.

Hier erwartete uns unser Team, der örtliche Führer Anwar, Begleitoffizier Musbah und fünf Toyota Jeeps Baujahr 1980, wüstenerprobt, mit Abschleppseil und Gebetsteppich über der Stoßstange, startbereit.

Die Fahrer hießen Omar, Ali, Osama, Hakim, Salah, Mustafa, Abu Bakr, Salama, Mubarak usw. ( sie wechselten mehrmals ) und sahen alle wild und unberechenbar aus – aber weit gefehlt, immer zuverlässig standen Sie bereit, waren absolut erfahrene Wüstenfüchse und kamen während der ganzen 1500km ohne Sandbleche oder GPS aus – wie Sie das gemacht haben, keine Ahnung.

Zuerst brachte uns Anwar zum Bazar – Schesch einkaufen!, vorher ginge es nicht in die Wüste.
Das 5 Meter Baumwolltuch soll vor Hitze, Staub, Sonnenbrand und Erkennen schützen, ziemlich schwierig als Turban zu wickeln, gehörte es dann jedoch  ziemlich schnell zum absolut unentbehrlichen Wüsteninventar.
Wir trafen noch Koch Khattari, Küchenjunge Achmed, sowie den voll mit Kamelhaxen, Braten und Schinken beladenen Küchentoyota von Mohamed.

Nach 150km Richtung Süden bogen wir ab – Zivilisationsende für die nächsten 2 Wochen, keine Teerstraßen und Tankstellen weit und breit, wir verschwanden im Stein Hammada.

Selbst bei der Mittagsrast wurde immer gleich von den Fahrern ein Feuerchen entfacht und Tee mit Minze in diesen kleinen Messingkesseln gekocht. ein schöner Brauch, eine Zeremonie die beruhigt und Abstand zum Alltag schafft – wir waren angekommen.

Was unser Koch Khattari und sein Helfer Ahmed so jeden Tag zauberten war unglaublich: schmackhaftes frisches Brot, Salate, Nudelgerichte, Kamelragouts, Suppen, Gebäck, Süßigkeiten, Obst, einfach Alles war dabei, nur kein Alkohol, dem aber bald auch keiner mehr nachtrauerte......

Nach den Steinwüstengebieten – es gibt welche in der Größe Spaniens in Libyen – kamen endlose platte Sandflächen. Wie sich hier die Fahrer ohne GPS nur an der Sonne orientierten war erstaunlich – wir wären da immer im Kreis gefahren.
Endlich konnten Sie Gas geben – mit 100 Sachen schossen wir jauchzend nebeneinander ins Endlose – oberstes Gebot dabei, nie den Führer-Fahrer überholen, denn der wusste den Weg.

Plötzlich am Horizont dunkle Schatten, dann grüne Flächen, wir rieben uns bei 30 Grad und 20% Prozent Luftfeuchtigkeit die Augen – Getreidefelder bis zum Horizont, daneben weidende Schafherden und das mitten in der endlosen Sahara!

Oberst Gaddafi lässt mit riesigen Bewässerungssystemen hier künstlich die Wüste bewässern – das Land liegt auf riesigen fossilen Wasserreserven, Regen der vor 400 Millionen Jahren viel. Immer wieder gab es auf der Route artesische Brunnen, hervorragendes Trinkwasser, dass wir ohne Entkeimung genießen konnten. Was für ein Luxus in dieser menschenfeindlichen Umgebung.

Das Land sah vor 10000 Jahren hier völlig anders aus – eher wie die ostafrikanische Savanne heute, große Grasflächen und Flusssysteme, Tierherden mit Zebras, Antilopen und Elefanten, Krokodile schnappten nach Barschen, in den heute von Sand zugewehten Wadis.

Die Steinzeit Menschen jener Tage hielten dieses Szenario mit Felsgravuren meisterlich fest – wir stehen vor den großartigen Werken des Wadi Mathendous.

An dieser 1 km langen Felswand Tausende von Gravuren, den Tieren und den Göttern geweiht, ein Kultplatz ohne Beispiel, wunderbar daran vorbeizugehen, einzudringen in eine Zeitreise zu den Ursprüngen der Menschheit.


Es geht weiter Richtung Süden – Dünen warten – die will der Wüstenneuling sehen, spüren, erwandern,  davon träumt er im Vorfeld solch einer Reise – das Dünenfeld von Murzuk ist so groß wie Bayern, 50000 qkm und wir nur Winzlinge darin.

Wir sind wie berauscht, die Fahrer fahren irgendwo hinein in diese Welt 300m hoher Sandberge und Täler, rosarot bis tiefgelb liegen sie vor uns, wir können es  einfach nicht glauben. Wir schmeißen die Schuhe weg und rennen jauchzend die Dünen im warmen Sand hoch, wie Kinder.

Währenddessen errichten unsere Helfer das Lager, kochen, und beten zu Allah wenn die Sonne als gleißender Ball untergeht. Jeden Tag geht das so, wir haben immer etwa 3 bis 4 Std. Zeit die Umgebung zu erkunden, irgendwo hinzulaufen, allein oder in Gruppen, wie es gefällt und diese Farben und Lichtspiele zu genießen.

Vor allem die Stille ist es, die so beeindruckt, wie auf einem anderen Planeten. Libyen ist 6mal so groß wie Deutschland und die 5 Millionen Einwohner leben fast alle an der Küste – also Einsamkeit ist garantiert.

Jeden Morgen ist auch wieder Gelegenheit diese jungfräuliche Welt aus Sand, Weite und Stille zu genießen. Während die Crew das Lager abbaut sind wir schon unterwegs querfeldein – Musbah, der Polizist ruft „ Heya nimschu ramla“, was soviel heißt wie, „los lasst uns auf die Dünen rennen“ und schon geht’s dahin durch diese Märchenwelt, bevor uns die Jeeps wieder aufnehmen unserem nächsten Ziel entgegen.

Je weiter wir nach Westen Richtung Algerischer Grenze fahren um so bizarrer wird die Landschaft. Aus Sanddünen werden mehr und mehr Urlandschaften aus Sandgestein, vor Millionen Jahren durch tropische Meere erschaffen, schließlich   aufgefaltet und erodiert durch Wind und Kälte, der Akakus.

130km ist dieser Gebirgszug lang, durchzogen von tausenden Schluchten, Canyons, Hochplateus  und Wadis, unsere Spielwiese für die nächsten Tage.

Wie die Adern eines Blattes durchziehen ausgetrocknete Flusssysteme und deren Seitenarme ein unglaublich schönes Gebiet, ein Felslabyrinth ohnegleichen, ideales Siedlungsgebiet früherer Zeiten, Ursprungsgebiet für Getreideanbau und Töpferei, eine der Keimzellen der frühen Menschheit.
So stehen wir staunend im Schatten großer Felsüberhänge. Tausende Felsmalereien in bester Qualität befinden sich hier – Naturfarben aus Stein und Pflanzen vermischt mit Blut waren leicht zu gewinnen und bevorzugte Materialien der Künstler vor 6000 Jahren!

Irgendwo in dieser versteinerten Welt warten unsere Kamele und Touaregs auf uns, am Felsen von Adat. Wir sind alle gespannt, jeder ein absolutes „Greenhorn“, die Einheimischen werden Ihre Freude an uns haben.

Da stehen sie, stolz und etwas arrogant ist Ihr Blick, mein „Aurak“ hat furchteinflößende 2,30m Schulterhöhe! Aber Achmed, Mohammed, Aisa und vor allem der alte Targi Yusuf werden uns schon in die Geheimnisse der Reitkunst einweihen.

Die Kamele schreien aus vollem Halse! Oje die Touris, diese Anfänger wollen uns reiten – zurück, nach vorne und noch mal zurück und wir sind oben, verkrampft halten wir uns am Tarek, dem Sattel fest. Die Füße über den Hals, die Hände fest am „Steuerknüppel“ zwischen den Beinen und los geht’s, 150km liegen vor uns. Wie sollen wir die nur durchhalten?

 Irgendwie haben wir die Technik noch nicht raus, der Unterleib fühlt sich am Abend im Zelt an, wie durch den Fleischwolf gedreht......na dann laufen mir halt a bisserl zwischendurch.

In Schlangenlinien durchziehen wir die Talsysteme des Akakus, eine Wunderwelt die uns den Atem und die Filme raubt. Äolische Erosion, Sandkörnchen die immer wieder in 1 bis 2m Höhe an die Felsen prallen, erschaffen Pilzfelsen , riesige Felsbrücken und bizarrste Skulpturen die unsere Fantasien anregt – ist das kein Drachenkopf, eine Schlange oder Adlerhaupt?! – auf, lasst Sie uns besteigen!

Jeden Abend das gleiche, jeder läuft in irgendeine Richtung, klettert Felsen oder goldene Dünen hoch, hängt seinen Gedanken nach, träumt vor sich hin, erlebt ein Sonnenuntergansspektakel von kosmischer Schönheit, und freut sich dann wieder auf das tolle Abendessen von Khattari.

Der packt dann noch am Lagerfeuer die Gitarre aus, wir singen Touareglieder, tanzen ums Feuer und lachen die ganze Nacht mit unseren Freunden, ohne Alkohol, einfach so – ein Leben wie aus einer früheren Zeit, das hektische Europa und unsere Heimat haben wir schon längst vergessen............

Der westliche Felsabbruch des Akakus ist immerhin 1350m hoch, keine Straße führt da hinüber, ein riesiger Felsriegel der nur zu Fuß über den 1000m hohen Akhbar Pass zu bezwingen ist. Ein richtiger Bergpfad. Bergsteigen und das mit unseren Kamelen?

Wir steigen ab und die Touareg führen die Tiere – nie werden wir diese Szenerie vergessen als wir nach den steilen Serpentinen am Pass ankommen, die Kamele in einer Linie, der gigantische Felsabbruch im Morgenlicht, Algerien im Westen und irgendwo unter uns das Wadi Tanezzouft.

Langsam geht der Trek zu Ende, der Geisterberg der Touareg, der Kafichenoun ragt schon wie eine Zitadelle vor uns auf, wir müssen von unseren Touareg und den Kamelen Abschied nehmen – verdammt das ist gar nicht so leicht. Irgendwie kommen wir uns nun ohne diese Wundertiere völlig verloren vor, wie gestrandete Wüstenritter.

Unser Lager errichten wir am Fuße der Geisterdüne – just neben den Türmen und Zinnen des Kafichnoun hat die Natur einen unglaublichen Sandhaufen aufgetürmt, einen Giganten, einen gelben Riesen den wir natürlich besteigen wollen. Wir mühen uns höher und höher, manchmal beinhart der Sand, manchmal knöcheltief und 30 Grad steil, das Herz hämmert, die Wadeln schmerzen, egal, durch Täler hindurch, über Grate immer weiter hinauf, Sandfahnen wie Schneefahnen an einem Achttausender, dann nach 2 Std. reiner Gehzeit stehen wir oben, der Gipfel! Keine Droge könnte schöner sein..........

Laut Höhenmesser ragt diese Düne 370m auf, gibt’s noch höhere? Der Blick –
- ohne Worte -  im Süden das langezogene Wadi Tanezoufft, bizarre Bergspitzen des Akakus, goldgelbe Sandwellen weiterer Dünen und genau gegenüber der Geisterberg der Touareg in seiner vollen Schönheit, zerrissen, zerfurcht, ein Irrgarten, eine Burg aus Stein. Heinrich Barth, der große deutsche Wüstenforscher wäre hier beinahe verdurstet, die Einheimischen meiden ihn, die Toten geistern da, so heißt es.

Neue Fahrer holen uns ab, wir rollen nach Ghat, in eine alte Oase.

Dort erwartet uns eine Dusche, ein Capuccino wie in Italien, und eine sehenswerte Altstadt, Weltkulturerbe. Tatsächlich können wir hier etwas Geld loswerden, Touareg aus dem Niger verkaufen ihren Silberschmuck.

Das Beste jedoch war hier der Besuch der Schule, was für ein Empfang. Der Direktor, führte „seine“ deutschen Gäste stolz durch die Klassenzimmer. Die Kinder und Jugendlichen adrett gekleidet, freundlich, aufgeschlossen und neugierig voller Fragen über old Germany. Dann spielten wir noch Tischtennis und Volleyball mit Ihnen – einfach nett. Überhaupt eine gute Erfahrung hier in diesem moslemischen Land, überall waren wir willkommen und die Menschen voller Gastfreundlichkeit. Schade das es in der Welt heute ganz anders aussieht, voller Vorurteile und Konflikte, es könnte so einfach sein, mit Respekt vor dem „Anderen“ in Frieden zu leben..... 

Ein weiterer Höhepunkt, für mich ein absolutes Weltwunder wartet nun auf uns, das Tassili Maridet. Direkt an der Algerischen Grenz gelegen war es jahrelang militärisches Sperrgebiet, nun aber zugänglich. Zum Glück, denn diese Landschaft übertrifft alle unsere Vorstellungen.

Auf mehreren Quadratkilometer wurde hier ein Sandsteinplateau dermaßen erodiert, dass gigantische bis zu 20m hohe Steinfinger, ein regelrechter Wald aus Stein, übriggeblieben sind. Alle paar Meter ragt solch eine Steinsäule in den Himmel, dazwischen goldgelber Sand unter tiefblauem Himmel, unglaublich, eine Märchenwelt in die wir nun eindringen.

Ohne Führer hat man sich in diesem Irrgarten bereits nach 100m verlaufen. Nur die Toareg kennen hier die Wege. Stunden durchwandern wir mit Mohammed die Plateaus, Schluchten und Wadis, jeder steht da mit offenem Mund, die Kameras klicken ohne Ende............nachts ist es noch dramatischer, wenn der Mond die Szenerie erleuchtet, man sieht überall Dschinns und Dämonen, eine Landschaft wie auf einem anderen Planeten, unvorstellbar.



Schweren Herzens verlassen wir diese Region, fahren über schlechte Pisten Richtung Osten, zelten in „Arche Mudeden“, dem Land des Steinbocks, wo runde rotbraune Steinkugeln vor goldene Dünen liegen. Schon wieder ein landschaftlicher Höhepunkt – wie sagte ein Saharaforscher „ die Welt hat sieben Wunder, die Sahara hat jedoch Wunder für sieben Welten parat!“

Wüstenfahrer aus aller Welt treffen sich schon seit Jahren im Dünenmeer des Erg Ubari, unserem letzten großen Ziel dieser Reise. Wieso? Hier liegen verstreut die etwa ein Dutzend Mandaraseen, Salzseen und Reste eines Ursees mitten in dieser unendlichen Sandwüste, ein weiteres weltbekanntes Naturwunder!

Um Um el Maa, Maflu oder den Gabron See zu erreichen müssen unsere Fahrer erst mal 40km brutalster Dünenfahrerei hinter sich bringen – ein einziges Meer aus Gelb, die Formen verschwimmen, Kämme, Hänge, Richtung alles verliert sich in der flimmernden Hitze im Wüsteneinerlei – wie man dabei diese Seen findet, sozusagen eine Stecknadel im Heuhaufen, der Erg Ubari ist 30000qkm groß, bleibt uns ein Rätsel.

Wieder errichten wir ein Traumlager, hoch auf einem Plateau über den Seen, so wie alle Lager zuvor, unvergesslich, einzigartig und mit Worten auch nicht zu beschreiben.



Am Gabron See lebten einst die Daouadas, die „Wurm-Esser“, fischten Krebse, und verkauften sie getrocknet, als Aphrodisiakum, an die Karawanen. Das ist lange vorbei, Gaddafi siedelte sie in eine moderne Siedlung am Rande des Ergs um.
Heute leben hier nur noch Leute aus dem Niger und dem Tschad, Händler, die Ihr Glück mit den zahlreichen Touristen versuchen. Sie vermieten sogar Anatomic Ski! mit Schuhgröße 45 um sich die 200m hohen Dünen hinabzustürzen – hat von uns keiner versucht, lag wohl an der Schuhgröße oder den schlechten Schneeverhältnissen????

Bei Windstille spiegeln sich in den Seen, mehrere hundert Meter hohe Dünen, das Schilf , die Palmen und der Himmel darüber, blaue Diamanten im unendlichen Gelb der Sahara, was für ein Anblick.
Wir können nicht anders – wir springen rein ins kühle Nass, mehr als 20 Grad hat es nicht, und man treibt wie ein Korken an der Oberfläche dank des hohen Salzgehaltes. Aber wehe man lässt die Füße sinken, schon in einem Meter Tiefe, wird es ganz schön heiß, über 40°!

Ein bizarres Erlebnis durch diese Seen inmitten der Sahara zu schwimmen.

Ein weiterer Höhepunkt einer unglaublichen Reise, die man so schnell nicht vergessen wird.


Wie sagte schon der Forscher Wilfred Thesiger:

„Niemand kann in der Wüste leben und unverändert daraus hervorgehen;
er wird immer das Heimweh nach diesem Leben spüren, ob leise oder brennend.... „


Für uns war es die Begegnung mit der Stille und der Weite der Wüste, den Farben, Stimmungen und Wundern dieser einzigartigen Natur – die Menschen, mit Ihrer Gastfreundschaft und Herzlichkeit waren noch das i-Tüpfelchen eines Erlebnisses, welches uns ein Leben begleiten wird.

Wir kommen zurück – inshallah!

Michael Markewitsch, Reiseleiter Hauser Exkursionen

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